(aus Leipzig)
Wir veröffentlichen den Text der Soligruppe um Henry aus Leipzig, da wir von dem Interesse an dem Geschehen wissen und den Text für grundlegend halten, mitsamt den dabei stehenden Verlinkungen. Unten haben wir noch wenige weitere Links eingefügt.
Der Text ist erschienen auf der Seite: https://www.antifaostkomplex.org/erklarung-zum-tod-von-henry/

Auf dieser Seite erscheinen Informationen zu den Prozessen, zu deren Hintergründen sowie eigene Texte, wie die Erklärung zum Tod von Henry.
Hier nun die Erklärung der Soligruppe
Erklärung zum Tod von Henry
Vonadmina 29/10/2026
CN: Suizid
Henry, Beschuldigter im Antifa-Ost-Komplex, ist am 24. Oktober 2026 an den Folgen eines Suizidversuchs gestorben.
Wir sprechen von Herzen der Familie, seinen Freund*innen, seinem Umfeld und (ehemaligen) Wegbegleiter*innen unser tiefes Beileid aus.
Unsere Gefühle wechseln zwischen Trauer, Erinnerungen an ihn und auch Wut.
Wut auf Journalist*innen, die der Familie und seinem Umfeld keine 24 Stunden der Trauer gelassen haben. Wut auf Neonazis, die auch nach seinem Tod ihn nicht in Frieden lassen können. Wut auf das Gericht, weil es ihm seine therapeutische und medizinische Unterstützung immer wieder erschwerte und zum großen Teil nicht gewährte.
Wir verstehen, dass (seine) Anwält*innen auf die Ungerechtigkeiten bis hin zu rechtswidrigen Taten von Behörden gegen Henry und andere Antifaschist*innen in Leipzig und Sachsen verweisen. Antifaschist*innen stehen seit jeher im Fokus der Repressionsbehörden (*). Die SoKo LinX hat die Kriminalisierung und Verfolgung antifaschistischen Engagements in Sachsen im Besonderen betrieben. Dies haben Henry und seine Familie immer wieder zu spüren bekommen. Die letzten Jahre von Henry waren von Repression und öffentlichen Diffamierungen seitens Behörden und Neonazis gegen seine Person geprägt, was für ihn, seine Familie und sein soziales Umfeld sehr belastend war.
Aber neben diesen Tatsachen gibt es noch weitere. Wir sind auch wütend auf Henry. Doch können wir dies nicht mehr mit ihm ausmachen. Wir möchten nicht, dass seine Person und sein Leben in der Öffentlichkeit bewertet werden, deswegen werden wir das hier auch nicht tun. Wir wünschen uns, dass dies respektiert wird. Zumal die Strafverfahren gegen das Konstrukt einer angeblichen antifaschistischen kriminellen Vereinigung weiter geführt werden.
Die Verkürzung, die wir in den letzten Tagen öfter gelesen haben, dass der Staat ihn umgebracht habe, finden wir nicht richtig. Es geht uns dabei nicht darum staatliche Stellen von ihrer Mitverantwortung frei zu sprechen, doch so einfach, wie einige meinen, ist es eben nicht.
Bei aller Trauer und emotionaler Erschütterung ist es Teilen der Familie, jenen die ihn die letzten Jahre begleiteten, und uns wichtig, dass der Tod von Henry nicht instrumentalisiert wird. Wir bitten euch daher von öffentlichkeitswirksamen Aktionen abzusehen. Es fühlt sich als Antifaschist*innen, die seit Jahrzehnten in Sachsen von dieser Repression auf unterschiedliche Weise betroffen sind und waren, falsch an.
Für uns ist es gerade besonders wichtig jene zu unterstützen, die im Moment am meisten leiden: Henrys Familie, die diesen Verlust verarbeiten muss.
Wir möchten daher Spenden für die Familie sammeln, damit diese mit den Auswirkungen des Todes nicht alleine bleibt.
Spenden Information:
Betreff: Für die Familie von Henry
Inhaberin: Juliane Nagel
IBAN: DE54 5002 4024 1095 2610 34
Wir wünschen uns, dass Henry nun in Frieden ruhen kann.
Soligruppe um Henry aus Leipzig
(*) Die Abhörprotokolle der letzten Jahre gegen Linke und Antifaschist*innen in Sachsen füllen nicht nur zehntausende Seiten, die Repression wurde auch versucht öffentlich anzuprangern:
– 129-Verfahren in Leipzig: https://web.archive.org/web/20200314081101/https://antirepression.noblogs.org/129-broschuere/
– 129 Freunde – https://web.archive.org/web/20250328090301/https://129freunde.de/
– Hausdurchsuchungen in Leipzig – https://www.rassismus-toetet-leipzig.org/index.php/broschuere-hausdurchsuchungen-in-klein-paris/
– „Soli Antifa Ost“-Blog – https://www.soli-antifa-ost.org/
Was kann neben Spenden noch getan werden?
- Supportet die anderen Beschuldigten, Familien und Soligruppen im Antifa-Ost-Komplex (https://www.antifaostkomplex.org) & im Budapest-Komplex (https://www.basc.news/ – https://bsg-nrw.org/ – https://www.kanu.me/)
- Organisiert euch in antifaschistischen Zusammenhängen und engagiert euch gegen Neonazis.
- Setzt euch aktiv mit Patriarchat, Sexismus und Misogynie auseinander und unterstützt feministische Strukturen und Personen.
Weitere links
- https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2026/10/henry-aulich-ist-tot-673938
- https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/angeklagter-nach-suizid-verstorben,angeklagter-antifa-verfahren-olg-dresden-verstorben-100.html
- https://taz.de/Dresdner-Antifa-Prozess/!6224770/
- https://perspektive-online.net/2026/10/antifaschist-henry-ist-tot-wie-die-justiz-trotz-bekannter-suizidgefahr-weiterverhandelte/