gefoltert. geflüchtet. verboten. erschossen.
Dienstag, 30.06.2026 | 17:00 Uhr
Platz der Menschenrechte (vor dem Neuen Rathaus), Hannover
Am 30. Juni 1994 wurde der 16-jährige kurdische Geflüchtete Halim Dener in Hannover von einem SEK-Polizisten erschossen. Sein „Vergehen“ bestand darin, Plakate zu kleben, um auf den Krieg, die Zerstörung und die Menschenrechtsverletzungen in Kurdistan aufmerksam zu machen. Sein Tod steht bis heute für die tödlichen Folgen von Rassismus, staatlicher Gewalt und der Kriminalisierung politischer Betätigung.
32 Jahre später hat seine Geschichte nichts von ihrer Aktualität verloren. Weltweit sind Millionen Menschen von Krieg, Vertreibung und Verfolgung betroffen. Auch in Deutschland erleben viele Menschen Ausgrenzung, rassistische Gewalt und Einschränkungen demokratischer Rechte. Aber auch Repression gegen soziale und politische Bewegungen haben massiv zugenommen.
Halims Geschichte erinnert durch sein Leben und seinen Tod an den aktuellen Kämpfen für Menschenrechte, Demokratie, soziale Gerechtigkeit und an eine alternative Gesellschaft.
Gemeinsam wollen wir die offizielle Politik (die Stadt Hannover) an ihre Verantwortung und Versprechen erinnern. Im Anschluss an die Kundgebung vor dem Rathaus werden wir gemeinsam zum Steintorplatz gehen – dem Ort, an dem Halim Dener erschossen wurde. Dort wollen wir an Halim erinnern und an all jene Menschen, die trotz Krieg, Verfolgung, Vertreibung und Unterdrückung für Freiheit, Würde und Gerechtigkeit eingetreten sind. Halims Geschichte steht dabei nicht nur für das erlittene Unrecht, sondern auch für den Widerstand gegen Unterdrückung – von den Kämpfen der Kurdinnen und Kurden bis hin zu den heutigen demokratischen und selbstorganisierten Projekten wie in Rojava und anders wo. Ihr Vermächtnis erinnert uns daran, dass Menschen sich auch unter schwierigsten Bedingungen für eine bessere Gesellschaft einsetzen und dass diese Kämpfe bis heute fortgeführt und weitergeführt werden müssen.
siehe auch:
Rote Hilfe Hannover mit weiteren links
Artikel im AK : In Kurdistan verfolgt, im Exil getötet
… … … Das Landgericht Hannover urteilte später, der Schuss habe sich bei der Auseinandersetzung »unter Stress« und »unabsichtlich« gelöst und Halim Deners Tod sei ein tragischer Unfall gewesen. Zweifel an dieser Version gibt es bis heute: Nicht nur ergaben die Untersuchungen beim Gerichtsverfahren, dass die Mündung der Waffe zum Zeitpunkt des Schusses nicht mehr als 15 Zentimeter von Halim entfernt gewesen sein konnte. Der Smith & Wesson-Revolver, aus dem der Schuss kam, hatte außerdem eine automatische Sicherung und konnte unmöglich versehentlich losgegangen sein. Der Polizist und Täter Klaus T. wurde nach einem drei Jahre andauernden Gerichtsprozess trotz dieser ungeklärten Umstände freigesprochen. … … … Der Fall Halim Dener steht symbolisch für die staatliche Gewalt gegen Kurd*innen und die Zusammenarbeit Deutschlands mit der Türkei. Mit den vier Worten »Gefoltert. Geflüchtet. Verboten. Erschossen.« zeichnet die Kampagne Halim Dener, die sich anlässlich des 20. Todestages 2014 gründete, seine Geschichte nach – eine Geschichte von Krieg, Flucht und Kriminalisierung.
HAZ Rückblick: Der Fall Halim Dener mit Fotostrecke
https://www.haz.de/lokales/hannover/rueckblick-der-fall-halim-dener-VBCCP23HRO3X7EENFM7FIRJMSA.html
Kampagne Halim Dener https://halimdener.noblogs.org/
